Geht nicht? - Geht doch! Rotwein zum Käsefondue
Leichtfertig hatte ich meinem Weinfreund Horst Wittgen vor 4 Jahren, als er mich zum Käsefondue einlud, versprochen: Ich bring eine große Flasche Rotwein mit! Aber was für einen?
Intensives Literaturstudium brachte nur Absagen. Zum Original Schweizer Käsefondue passe nur Weißwein, am besten noch solcher aus der Schweiz selbst, z.B. Chasselas. Ich wollte aber keinen Weißwein, schon gar keinen Chasselas. Also ein paar befreundete Sommeliers angerufen. Auch die schlugen die Hände über dem Kopf zusammen. Rotwein zum Käsefondue? Bloß nicht. Allenfalls könne man vielleicht einmal versuchen, einen jungen, leichten, fruchtigen Rotwein zu nehmen, z.B. einen Pinot.
Da stand mir aber nicht der Sinn nach. Ich wollte nichts leichtes, fruchtiges sondern einen großen, kräftigen Wein, zumal ich auch nur letztere in Großflaschen besitze. Was nun? Ganz einfach, stur bleiben, die eigenen Gehirnzellen strapazieren und einfach ein Experiment wagen.
Zielsicher erfolgte dann der Griff zu einer Doppelmagnum 1993 Beringer Cabernet Private Reserve. Und das war ein Glücksgriff. Der Wein war zum Käsefondue ein voller Erfolg. Seine saftige, reife Frucht harmonierte wunderbar mit dem Käse. Keiner der beiden dominierte den anderen und beide kamen jeweils gut zur Geltung. Der Beringer machte übrigens aus dem großen Format eine deutlich bessere Figur als aus der 1tel. Und – wir hatten unseren Rotwein! So kam dann logisch das Versprechen, das alles (nicht nur) im nächsten Jahr zu wiederholen.
2001 war dann ein 1992 Newton Cabernet Sauvignon aus der Doppelmagnum zum Käsefondue der absolute Knaller, ganz junge dichte Farbe, herrlicher Brombeersaft mit guter Struktur und Länge, hatte mit dem Käsefondue keine Probleme, die DM war zu sechst in nur 65 Minuten leer, nur die nachfolgenden Weine hatten es nach diesem Ausnahmestoff verdammt schwer - 96/100.
Weicher, reifer und insgesamt „französischer“ wirkend als 1992 und die jüngeren Newtons 2002 zum Käsefondue ein 1990 Newton Cabernet Sauvignon Unfiltered – 95/100.
Nicht so gut lag ich dann 2003 mit einer 1997 Monbousquet Doppelmagnum. Der Wein hatte eine Supernase und war wieder hedonistisch-lecker, nur mit dem Käse wollte er nicht so recht mithalten - 92/100(für den Wein, in der Kombination schlechter).
In diesem Jahr dann der nächste Versuch mit einer französischen DM, 1999 Quinault l´Enclos. Das ging wieder gut. In der DM erwies sich der Quinault als deutlich kräftiger als in der 1tel mit einem tollen Blaubeer- und Brombeerbouquet und mit reifen Tanninen – 93/100. (WT/April 2004)

