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Nectar des Bertrands 2016

Geht die Nectar des Bertrands Saga weiter? Aber so was von!

Hier der Link zu den Anfängen, der Vorgeschichte und dem damals sensationellen 2009er.

Mit der etwas erweiterten Original Crew von damals haben wir jetzt im Wine Live zusammen mit Jochen Fricke die Fassprobe des 2016 Nectar des Bertrands und ein paar ältere Jahrgänge probiert.

2016 gilt als großer, bereits viel gehypter Jahrgang in Bordeaux.

Die Performance des 2016 Nectar des Bertrands kann das nur voll unterstreichen. Stilistisch liegt er in etwa zwischen 2009 und 2010 und ist etwas stoffiger und dichter als der gut gelungene 2014er. Superbe, reife Frucht, gute Säure und reife, weiche Tannine sorgen für frühes Trinkvergnügen, aber auch gutes Alterungspotential. Wenn da jetzt in den knapp 12 weiteren Monaten in 80% neuen Fässern noch eine Portion Röstaromatik dazu kommt, wird das ein toller Stoff, locker in der WT93+ Kategorie und mit bewährt sensationellem Preis- Leistungsverhältnis. Für mich persönlich ist das wieder ein absoluter Pflichtkauf, und zwar in allen Formaten in größeren Mengen.

Warum sonst niemand über diese Trouvaille schreibt? Der Wein stammt aus Blaye, Côtes de Bordeaux. Das ist vom Medoc aus gesehen „am Arsch der Welt“. Von den hochwohlgeborenen und von den großen Chateaus gehätschelten und verwöhnten Schreiberlingen fährt da keiner hin. Ich hoffe, das bleibt noch eine Weile so.

Probiert haben wir natürlich auch den wunderbar süffigen 2014er, der derzeit mein Hauswein ist und im Familien- und Freundeskreis auf ungeteilte Begeisterung stößt. Aus der Magnum hatten wir den 2009er, der in der Nase wie ein Zwilling des 2016er wirkte (spricht für beide), bei dem ich aber das Gefühl hatte, dass er sich derzeit etwas verschließt. Wohl dem, der davon noch hat. Da ist keinerlei Eile geboten – WT91+.

Jede Suche wert ist der 2010 Nectar. Der hat zwar immer noch stramme Tannine, aber auch eine tolle Struktur. Ein Langstrecken-Nectar, sehr minzig und Cabernet-betont mit enormer Zukunft – WT92+.

Die deutsche Subskription des Nectar des Bertrands erfolgt über Wine Live.

Und nur der guten Ordnung halber: ich bin an dem Laden weder beteiligt, noch habe ich sonst irgendetwas davon. Der Wineterminator ist und bleibt völlig unbestechlich und unabhängig.

Natürlich hatten wir alle auch ein paar reife Raritäten im Gepäck, die wir jetzt gemeinsam verkosteten.

Den Anfang machte ein hoch spannendes Kalifornien-Duo. Sehr fein, elegant und einfach zeitlos schön in der Stilistik eines Medoc aus den 80ern mit Leder und Minze der 1987 Phelps Eisele Vineyard, bei dem keinerlei Eile geboten ist – WT94. Der 1975 Caymus wirkte noch so jung mit sehr dunkler Farbe und wunderbare Frucht. Ein großer, wilder Wein, der mit der irren Minze wie ein Lynch Bages mit Turbolader wirkte – WT98. Kommt in der Form fast an den Special Select dieses Weines ran, den ich schon perfekt mit WT100 im Glas hatte.

Nicht die beste Flasche wohl der 2006 Nectar des Bertrands, den ich deutlich besser kenne. Aus dieser hier wirkte er jung mit immer noch bissigen Tanninen, aber auch grünen Noten und ziemlich fruchtlos – WT88.

Sehr gut entwickelt hat sich der 2003 Clos des Papes, der mir vor 5 Jahren aus diesem heißen Jahr noch zu dick und alkoholisch war. Jetzt zeigte er sich deutlich ziviler und erstaunlich elegant mit betörender Aromatik und viel reifer Erdbeere – WT95. Ziemlich oxidiert und over the hill war leider der 1998 Clarendon Hills Syrah Piggot Hills aus Australien. Da er aus der aus dem gleichen Keller kam, wie der 2006 Nectar, war auch das wohl eine suboptimal gelagerte Flasche. Ein klassischer, gut gereifter Old School Chateauneuf-du Pape war der würzige 2000 Domaine Bois de Boursan mit reifer Kirsche und generöser Süße, aber auch guter Struktur und dabei erstaunlich stimmig – WT94.

Ein Riese war der 1982 La Tour Haut Brion, den am Tisch trotz Cigar Box ohne Ende niemand so richtig zuordnen konnte. Ein immer noch so dichtes Powerteil mit intaktem Tanningerüst, erdig-teeriger Mineralität, Tabak, Holzkohle und Leder, dazu rotbeerige Frucht, ist immer noch nicht voll da und könnte noch zulegen – WT97+. Schade, dass es dieses Gut, das in 1949, 1955, 1959, 1961, 1975 und eben 1975 so große Weine in Augenhöhe mit La Mission gemacht hat, nicht mehr gibt und die Weinberge in La Mission eingegliedert wurden. La Tour Haut Brions aus den erwähnten Jahren sind jede Suche wert. Endlich reif, nachdem ich mich über die erste Hälfte der OHK immer geärgert hatte, zeigte sich der 1982 Magdelaine, ein sehr kraftvoller St. Emilion mit majestätischer Statur und in der zweiten Hälfte dieser perfekt gelagerten Kiste wohl noch mit reichlich Zukunft, könnte weiter zulegen – WT94+. Leider ist auch dieses Gut von der Bildfläche verschwunden. Es wurde von Moueix zusammen mit Belair 2012 zum neuen Gut Belair-Monange verschmolzen. Traumhaft entwickelt hat sich die verspielt-elegante, einfach betörende 1989 Pichon Comtesse de Lalande mit Zedernholz, feiner Minze und schokoladigem Schmelz, aber auch genügend Substanz und Rückgrat für noch eine längere Entwicklung. Einfach ein genialer Schmuse-Pauillac – WT96.