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Gantenbein 2015 & Co

Grandissimo!

Bei und mit den so sympathischen und liebenswerten Gantenbeins in Fläsch verkosteten wir neben anderen Raritäten den überaus gelungenen Gantenbein Jahrgang 2015. 

Los ging es mit dem ulraren 2015 Gantenbein Riesling. Der zeigte marginal mehr Fülle als 2014, war trocken, rassig mit knackiger Säure und fantastischer Mineralität. Letztere ist den Grauschiefer Verwtterungsböden geschuldet, auf denen dieser Wein wächst. Hat locker GG Qualität - WT95. Leider wird er derzeit bei nur 1500 Flaschen zu teils abstrusen Preisen gehandelt. Die ist er genauso wenig wert wie GMax oder der Sauvignon Blanc von Screaming Eagle. Qualität kann man schmecken, Seltenheit nicht. Ich freue mich diebisch, wenn ich den Gantenbein Riesling ins Glas bekomme. Aber wenn ich den zu Spekulationspreisen kaufen soll, verzichte ich lieber und investiere mein Geld in gleichwertige GGs von der Nahe.

Dank einer neuen (alten Presse) zeigt der 2015 Gantenbein Chardonnay eine reduktive Note und eine enorme Substanz für ein langes, sicher Premox-freies Leben. Lässt sich schon gut antrinken, aber da kommt in 3-5 Jahren deutlich mehr. Ein großer Chardonnay, der auf WT96 Niveau sicher 15-20 Jahre alt werden kann. Ich hatte im letzten Herbst den noch fast taufrischen, sehr komplexen 2002 Gantenbein Chardonnay im Glas, der deutlich zeigte, dass bei diesem Wein warten lohnt. 

Erstaunlich zugänglich mit einfach traumhafter, geradezu verführerischer Frucht ist aus hochreifem Jahr mit kleiner Ernte der 2015 Pinot Noir, den ich in dieser unwiderstehlichen Frühform schon häufig im Glas hatte. Hier waren es jetzt wie ein paar Tage vorher in Mönchenwerth WT96. Aber lassen sie sich nicht täuschen. Auch dieser Wein hat genügend Substanz und Tannine um sich über lange Zeit zu entwickeln und sicher noch an Komplexität zu gewinnen.

Martha und Daniel Gantenbein sind Qualitätsfanatiker. Seit sie 1982 als Quereinsteiger ihren ersten Wein machten, steigern sie kontinuierlich die Qualität. 1990 gelang ihnen damals der erste, viel gerühmte Spitzenwein. Ab 1991 bauten sie den damals noch Blauburgunder genannten Wein im Barrique aus. 2009 konnte ich die Weine ab 1988 in einer großen Vertikalprobe verkosten.

Ein feiner, kleiner Runde probierten wir danach zu Daniel Gantenbeins wunderbarer Küche noch große Weine anderer Produzenten. Den Anfang machte aus kühlerem Jahr ein großartiger 2008 Batard Montrachet von Ramonet. Der war erstaunlich schlank und finessig, fast eher Chevalier Montrachet, mit guter Struktur und Säure, sehr lang am Gaumen – WT96. Ein Monument und ganz hohe Schule danach der 2007 Meursault Genevrières von Coche-Dury. Wie schön, dass es davon nicht nur einen kleinen Probierschluck gab, sondern ein großes, volles Glas. So konnte ich erleben, wie sich dieser Wein entwickelte und mit der Zeit geradezu atemberaubend zulegte. Schank im positiven Sinne mit messerscharfer Präzision. Zitrusfrüchte, Weißer Pfirsich und Feuerstein in der Nase. Am Gaumen eine geradezu irre, leicht salzige Mineralität, dazu ein gewaltiger, aromatischer Druck und Tiefgang, blieb ewig am Gaumen – WT97. Es sind solche Weine, an denen sich die Gantenbeins immer messen, und aus deren Verkostung sie den Ansporn für weitere, eigene Qualitätssteigerung holen.

Letzteres galt auch für den nächsten Wein, einen 1999 Richebourg von der Domaine Leroy. Der war bei aller Kraft und Würze so fein, so elegant, so spielerisch, geradezu tänzelnd am Gaumen und wiederum unendlich lang. Diese unglaubliche Leichtigkeit, die dieser große, eigentlich kräftige und druckvolle Wein verströmte, ließ an Henri Jayer denken – WT97. Sehr erstaunlich, wie gut sich der blind daneben gestellte 1999 Gantenbein Pinot Noir dagegen hielt. Klar, er hatte nicht diese unendliche Leichtigkeit, war kräftiger, dichter, wiederum sehr druckvoll und lang. Zeigte mit seiner durchaus vorhandenen Frische, wie gut die Gantenbeins altern können – WT95.

Enorm kraftvoll danach der Auftritt des 2008 Romanée St. Vivant Marey-Monge von der Domaine Romanée Conti mit immer noch sehr präsenten Tanninen und gewaltigem Potential, aber auch Eleganz zeigend und allererste, feine Süße. Da sind sicherlich noch 10 Jahre Warten angesagt, bis aus den heutigen, konservativen WT94+ dann WT97 werden.

Wie ein Kulturschock kam nach all dieser burgundischen Finesse ein 1998 Lafleur aus diesem großen Pomerol-Jahrgang ins Glas. Noch so jung, maskulin kernig im besten Sinne mit schon fast brutaler Kraft und mächtigen Tanninen. Zeigte die typische, kräuterig-lakritzige Aromatik, ein irres Konzentrat mit Legendenpotential, das in dieser Form geradezu um 10-20 Jahre weiterer Lagerung bettelte – WT95+. Perplex machte mich auch der letzte Wein, ein immer noch geradezu jugendlich wirkender 1990 Hermitage von Chave, der als kraftstrotzendes, pfeffriges, animalisches Aromenbündel ins Glas kam und noch etwas bissig wirkte. Zeigte Mörderpotential und war noch etliche Jahre hinter einer vor ein paar Monaten getrunkenen, reifen Flasche. WT99 waren das seinerzeit, hier und heute WT96+.